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Item Number |
727 | |||
Name |
Grosshandlung Johann Friedrich Klett / Eisengiesserei und Maschinenfabrik Klett & Comp. | |||
Location(s) |
Nürnberg | |||
Country |
Deutschland | |||
Region |
Deutschland | |||
Description |
Nürnberg, 27.09.1847, 4-seitiges Schreiben, 30 x 21,2 cm, Knickfalten, Randeinrisse, 2 Seiten bedruckt, eine als Adressfeld benutzt, mit mittig gebrochenem schwarzen Siegel, Original-Signatur Theodor Cramer-Klett und Carl Fuchs. Emilie Auguste Cramer-Klett, geb. Klett, teilt dem Direktorium der Königlich Privilegirten Ludwigs-Eisenbahn in Nürnberg mit, dass ihr Vater Johann Friedrich Klett verstorben ist, und sie als dessen Erbin die Firmenanteile an der Grosshandlung Johann Friedrich Klett sowie der Eisengiesserei und Maschinenfabrik Klett & Comp. an ihren Gatten Theodor Cramer-Klett übertragen hat. Weiter teilt Theodor Cramer-Klett mit, dass er auf gemeinschaftliche Rechnung mit Carl Fuchs handelt. Historisch hochinteressantes Dokument, das den Firmenübergang von einem der beiden MAN-Vorläufer dokumentiert! | |||
Description (English) |
Nuremberg, 27 September 1847, 4-page letter, 30 x 21.2 cm, folds, edge tears, 2 pages printed, one used as an address field, with a centrally broken black seal, original signatures of Theodor Cramer-Klett and Carl Fuchs. Emilie Auguste Cramer-Klett, née Klett, informs the board of the Royal Privileged Ludwig Railway in Nuremberg that her father, Johann Friedrich Klett, has passed away and that, as his heir, she has transferred the company shares in the wholesale firm Johann Friedrich Klett as well as in the iron foundry and engineering works Klett & Co. to her husband Theodor Cramer-Klett. Furthermore, Theodor Cramer-Klett states that he is acting in partnership with Carl Fuchs. A historically highly interesting document recording the transfer of one of the predecessor companies of MAN! | |||
Condition |
VF | |||
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History (German) |
Theodor Cramer-Klett wurde am 27. September 1817 in Nürnberg geboren. Seine Mutter Felicitas war die Tochter des Nürnberger Kaufmanns Johann Caspar Falcke. Sein Vater Albert Johann Cramer betrieb in Nürnberg einen Importhandel mit Kolonial- und Textilwaren. Diesen musste er 1834 liquidieren um nach Wien überzusiedeln. Dort beteiligte er sich erfolgreich an einer Seifenfabrik. Seine ersten kaufmännischen Fertigkeiten erwarb sich Theodor Cramer im Geschäft seines Vaters. 1837/38 absolvierte er eine Ausbildung im Prager Handels- und Bankhaus Lämel. Zudem besuchte er ein Jahr lang in München Vorlesungen in Philosophie und Naturwissenschaften. Nach einer kurzen Phase in Wien, wo er den kränkelnden Vater unterstützte, siedelte er 1840 nach Genf über. Dort vertiefte er in einem Bankhaus seine Kenntnisse im Finanzwesen. 1843 hatte er ein kleines Vermögen beisammen, mit dem er die Verlagsbuchhandlung Bäumler erwarb. 1844 gliederte er dieser den Friedens- und Kriegskurier an, den späteren Fränkischen Kurier. 1847 war ein besonders einschneidendes Jahr für Theodor Cramer: Zunächst heiratete er Emilie Klett, die Tochter Johann Friedrich Kletts. Dieser war Begründer einer Maschinenfabrik, die seit 1838 Eisenbahnmaterial, insbesondere Dampfmaschinen und Kessel, herstellte. Kurze Zeit nach der Hochzeit verstarb Johann Friedrich Klett. Theodor Cramer führte die Maschinenfabrik und Eisengießerei J. F. Klett weiter. Ab 1865 lautete der Name der Firma Offene Handelsgesellschaft Maschinenbau-Gesellschaft Nürnberg Klett & Co. 1873, auf dem Höhepunkt des Gründerbooms, wandelte auch Klett seine Firma in eine Aktiengesellschaft um. Diese firmierte als Maschinenbau-Actiengesellschaft Nürnberg. Er baute zusammen mit seinem ehemaligen Konkurrenten Johann Ludwig Werder das Unternehmen zu einer der führenden Maschinenfabriken Deutschlands aus. Es wurden Eisenbahnmaterial, Eisenbahnwaggons, Gewehre und Dampfmaschinen produziert. Daneben errichtete die Gesellschaft Brücken, so beispielsweise die Isar-Hochbrücke bei Grosshesselohe oder die Rheinbrücke von Mainz nach Gustavsburg (Mainzer Südbrücke). Große Anerkennung erhielt er auch für seine Hochbauten wie die Schrannenhalle in München, den Wintergarten der königlichen Residenz in München oder die Würzburger Bahnhofshalle. Besondere Ehre brachte ihm die Errichtung des Glaspalastes für die Allgemeine Münchener Gewerbeausstellung 1854 ein. Dieses nach dem Vorbild des Londoner Kristallpalastes konstruierte Bauwerk errichtete Klett in nur 100 Tagen. Als Dank dafür wurde er im gleichen Jahr noch in den persönlichen Adelsstand erhoben. Theodor Freiherr von Cramer-Klett hatte seit jeher Freude an Finanzgeschäften. Daher beteiligte er sich Mitte der 1850er Jahre an vielen Eisenbahngesellschaften. Er beglich die Kapitaleinlagen aber nicht in bar, sondern durch Materiallieferungen seiner Unternehmen. Die Finanzgeschäfte wickelte er über die Handelsgesellschaft Klett & Co. ab, die als Holding fungierte. Er kooperierte dabei fast ausschließlich mit der Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank). Gemeinsam mit dieser gründete er Privatbanken in der Form von Kommanditen in Wien, Stuttgart, München, Kassel, Mailand und 1871 die Süddeutsche Bodencreditbank AG in München. Die Münchener Kommandite Merck, Christian & Co. entwickelte sich unter dem sehr fähigen Prokuristen Wilhelm Finck bald zu einer der führenden deutschen Privatbanken. Am 6. März 1880 beantragte Cramer-Klett zusammen mit Wilhelm Finck die Konzession für die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. Nach zehn Jahren war die Gesellschaft bereits Weltmarktführer und gründete 1890 wiederrum die Allianz Versicherungs-AG. 1866 verstarb seine Ehefrau Emilie Klett. Die Ehe blieb kinderlos. Klett heiratete die Apothekerstochter Elisabeth Curtze aus Worms. Sie gebar ihm 1874 einen Sohn. Theodor Cramer-Klett starb nach langer Krankheit am 5. April 1884 in Aschau. Neben seiner Familie stand Wilhelm von Finck an seinem Sterbebett. Er war zu einem väterlichen Freund Cramer-Kletts geworden. Wilhelm von Finck führte zusammen mit Hermann Pemsel, Friedrich Hensolt und Jean Kempf (beide leitende Herren bei der Maschinenfabrik Nürnberg), Gustav Schlör (Teilhaber bei Klett & Co.) und der Witwe die Geschäfte Cramer-Kletts weiter. Die Personen hatten auch die Vormundschaft für den gerade erst zehnjährigen Theodor II. 14 Jahre nach dem Tod von Theodor Freiherr von Cramer-Klett entstand im Jahr 1898 durch den Zusammenschluss der Maschinenfabrik Nürnberg mit der 1840 gegründeten Maschinenfabrik Augsburg AG die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN). Seit 2021 gehört MAN nach einem vollständigen Squeeze-out zu 100 % zum Volkswagen-Konzern. | |||
History (English) |
Theodor Cramer-Klett was born on September 27, 1817, in Nuremberg. His mother, Felicitas, was the daughter of Nuremberg merchant Johann Caspar Falcke. His father, Albert Johann Cramer, ran an import business for colonial and textile goods in Nuremberg, which he was forced to liquidate in 1834 in order to move to Vienna. There he successfully invested in a soap factory. Theodor Cramer gained his first commercial experience in his father’s business. In 1837/38, he completed training at the Lämel trading and banking house in Prague. He also attended lectures in philosophy and natural sciences in Munich for a year. After a brief period in Vienna, where he assisted his ailing father, he moved to Geneva in 1840, where he deepened his knowledge of finance in a banking house. By 1843, he had accumulated a small fortune, which he used to acquire the Bäumler publishing house. In 1844, he added the Friedens- und Kriegskurier, later the Fränkischer Kurier. The year 1847 was particularly momentous for Cramer: he married Emilie Klett, daughter of Johann Friedrich Klett, founder of a machine factory that had been producing railway equipment, especially steam engines and boilers, since 1838. Shortly after the wedding, Johann Friedrich Klett passed away, and Theodor Cramer took over the J. F. Klett machine factory and iron foundry. From 1865, the company was known as the general partnership Maschinenbau-Gesellschaft Nürnberg Klett & Co. In 1873, at the height of the Gründerboom, Klett converted the company into a joint-stock corporation under the name Maschinenbau-Actiengesellschaft Nürnberg. Together with his former competitor Johann Ludwig Werder, he developed it into one of Germany’s leading machine manufacturers, producing railway equipment, wagons, rifles, and steam engines. The company also built bridges such as the Isar High Bridge at Grosshesselohe and the Rhine Bridge from Mainz to Gustavsburg (Mainzer Südbrücke). Cramer received great acclaim for architectural works such as the Schrannenhalle in Munich, the winter garden of the royal residence in Munich, and the Würzburg station hall. A particular honor came with the construction of the Glass Palace for the 1854 General Munich Trade Exhibition, modeled on London’s Crystal Palace, which he completed in just 100 days. In the same year, he was elevated to the personal nobility. Always inclined toward financial ventures, Cramer became involved in many railway companies from the mid-1850s, paying in his capital contributions not in cash but through material deliveries from his enterprises. These financial operations were conducted through the trading company Klett & Co., which acted as a holding. He worked almost exclusively with the Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank), with which he established private banks as limited partnerships in Vienna, Stuttgart, Munich, Kassel, Milan, and in 1871 the Süddeutsche Bodencreditbank AG in Munich. The Munich partnership Merck, Christian & Co. soon developed under the capable procurator Wilhelm Finck into one of Germany’s leading private banks. On March 6, 1880, Cramer-Klett, together with Wilhelm Finck, applied for the concession to establish the Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Munich Reinsurance Company). Within ten years, the company had become the world market leader and in 1890 went on to found Allianz Versicherungs-AG. In 1866, his wife Emilie Klett died, and the marriage had been childless. He later married Elisabeth Curtze, the daughter of a pharmacist from Worms, who bore him a son in 1874. Theodor Cramer-Klett died after a long illness on April 5, 1884, in Aschau. At his deathbed, alongside his family, was Wilhelm von Finck, who had become a paternal friend. Finck, together with Hermann Pemsel, Friedrich Hensolt and Jean Kempf (both senior executives at the Maschinenfabrik Nürnberg), Gustav Schlör (partner at Klett & Co.), and the widow, continued Cramer-Klett’s business affairs. These individuals also acted as guardians for the ten-year-old Theodor II. Fourteen years after Theodor Freiherr von Cramer-Klett’s death, in 1898, the Maschinenfabrik Nürnberg merged with the Maschinenfabrik Augsburg AG, founded in 1840, to form Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN). Since 2021, MAN has been wholly owned by the Volkswagen Group following a complete squeeze-out. | |||
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